BBoard stellt seinen Betrieb ein, Details hier
Vollbock.bboard.de
Vollbock for ever


 

 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Graffiti Bilder für die bunte Stadt



 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Vollbock.bboard.de Foren-Übersicht -> Offtopics
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
der Jeck us kölle
-Database error-



Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 18.10.2006
Beiträge: 577
Wohnort: KÖLLE

BeitragVerfasst am: 07.10.2008, 11:43    Titel: Graffiti Bilder für die bunte Stadt Antworten mit Zitat

Die Kölner Anti-Sprayer-Aktion Kasa bekämpft seit zehn Jahren illegale Graffiti. Ihr Weg ist umstritten. Jugendliche fordern die Legalisierung von Flächen.

In der offenen Jugendeinrichtung "Luckys House" in Bilderstöckchen darf legal gesprayt werden.
In der offenen Jugendeinrichtung "Luckys House" in Bilderstöckchen darf legal gesprayt werden. Köln - Der Weg führt durch dichtes Gestrüpp, weiter über eine teilweise zusammengebrochene Mauer, bevor man an einem unwirklichen Ort angekommen ist, den man hier mitten in der Stadt nicht erwartet. Irgendwann wurde hier mal irgendwas produziert. Die Fabrikhalle ist verfallen, das ehemalige Bürogebäude hat keine Fenster mehr, drinnen fliegen Akten und Papier herum. In einer Grube, die man mal für Reparaturen von Lastwagen genutzt haben wird, liegen ein altes Sofa - und Hunderte leere Spraydosen.
„Mal kommen noch ein paar Metallsammler vorbei“, sagt ein 18-Jähriger, der sich mit einem Freund in eines der alten Gebäude zurückgezogen hat. „Schön besinnlich“ sei es hier. Dann sprüht er mit ruhiger Hand zwei Augen in ein Gesicht. „Hierhin kommen diejenigen, die noch ein bisschen üben und ihre Technik verbessern wollen“, sagt der 15-jährige Luca über diesen riesigen, knallbunten Abenteuerspielplatz. Alles - wirklich alles - ist hier mit Graffiti überzogen. Drinnen und draußen, Möbel und Mauern, Wege und Decken.

Luca muss hier nicht üben. Er gehört zur Gruppe der „Mittwochsmaler“, der wahrscheinlich größten organisierten Gruppe von Graffiti-Sprayern in Köln. Geübt wird in der offenen Jugendeinrichtung „Luckys House“ in Bilderstöckchen. In das alte Gewerbegebiet ist er gekommen, um sich an einem neuen Gemeinschaftswerk auf der „Hall of Fame“ zu beteiligen. Die „Hall“ ist eine über 200 Meter lange Wand unweit der alten Fabrik. Hier sei das Sprühen legal, sagen die Jungs. Mit hellblauer Farbe wird ein Stück Wand voller Grafitti überstrichen und so für neue Bilder vorbereitet. Aus einem Auto scheppert Hip-Hop-Musik. Hier wird nicht wild herumgesprüht, sondern stundenlang mit Akribie gemalt. „Wenn man illegal sprüht, hat man keine Zeit für so was“, sagt Luca. Ihm sei wichtig, ein gutes Bild zu machen, anstatt sich irgendwo auf die Schnelle zu verewigen. Fast alle haben einen Fotoapparat dabei, um später das Ergebnis ihrer Arbeit festzuhalten. An manchen Wochenenden stehen hier weit über hundert Jugendliche entlang der „Hall“, Gruppen veranstalten Wettbewerbe und Parties, jemand bringt einen Generator für eine Musikanlage und Kühlschränke mit - ein lebendiges Stück selbst organisierte Jugendkultur, von dem die meisten in der Stadt nichts wissen.

„Graffiti ist cool“, sagt Thomas aus Porz, der vor kurzem einen Wettbewerb gewonnen hat. „Das belebt das Stadtbild“, meint der 18-jährige Timon und beschwert sich über die Polizei, die einen schon anhalte, wenn man einen Fleck Farbe auf der Hose habe. „Wir wollen uns nicht kriminalisieren lassen.“ Auf der Wand entstehen großformatige, bunte Bilder: Comic-Figuren, Schriftzüge, Fantasy-Gestalten. „Diese Jugendlichen hätten Wertschätzung verdient“, sagt die Künstlerin Alexandra Renken, die zusammen mit dem Jugendsozialarbeiter Maurice Kusber die „Mittwochsmaler“ betreut.

Doch auch hier, fernab von privaten Hausfassaden und Lärmschutzwänden der Bahn hat die Wertschätzung Grenzen: Ein wütender junger Mann unterbricht die Graffiti-Maler. Er gehört zu den Bewohnern eines abgewrackten Bauwagenplatzes, die sonst wenig mit den normalen Eigentumsbegriffen der restlichen Stadtgesellschaft zu tun haben wollen. Doch jetzt ist es auch für ihn an der Zeit, die typische Graffiti-Debatte um Privateigentum und Sachbeschädigung zu führen. Ein alter Mercedes wurde besprüht, mit einer Kloschüssel eine Heckscheibe eingeworfen. „Dem nächsten, den ich erwische, ziehe ich nicht nur die Ohren lang, sondern reiße eins ab. Langsam wird's zu viel.“ Die Diskussion wirkt in den Fabrikruinen bizarr, geht es doch auch hier um Graffiti als „Eigentumsverletzung, die es nicht länger zu tolerieren gilt“, wie es in der Selbstdarstellung der „Kölner Anti Spray Aktion“, kurz Kasa, heißt.

Dieser Zusammenschluss von Stadt, Polizei, KVB, Bahn, Hausbesitzern und einigen Unternehmen hat sich vor zehn Jahren gegründet, um illegalen Graffiti den Kampf anzusagen, Hausbesitzern beim Schutz zu helfen und den Sprühern das Leben schwer zu machen. Die Kasa ist der Lieblingsfeind der Jugendlichen. „Verbote bringen doch nichts“, ist sich Gymnasiast Luca sicher. Dass er nur noch legal sprühe, habe nichts mit einem Verhör bei der Polizei zu tun, die ihn mal erwischt habe. „Das hat wenig Eindruck gemacht.“ Für ihn sei vielmehr entscheidend, dass er nun von Flächen wisse, wo er in aller Ruhe und legal seine Bilder machen könne. Unrechtsbewusstsein spielt da keine große Rolle: „Ich finde es nicht gut, wenn ein schönes Haus besprüht wird. Bei hässlichen Gebäuden oder bei Brücken ist das aber was anderes. Bunte Bilder verschönern doch die Stadt.“ Solche Aussagen hören die zuständigen Beamten der Kölner Polizei auch, wenn sie illegale Sprayer erwischen. „Warum darf ich nicht die Stadt mitgestalten?“, würden ihn Täter fragen, berichtet der zuständige Koordinator bei der Polizei, Arnd Rüenaufer. Man habe es mit Leuten mit „missionarischem Eifer“ zu tun.

Luca, Timon oder Thomas meint der Mitbegründer der Kasa damit nicht. Für die meisten illegalen Graffiti sei „ein harter Kern von Intensivtätern“ verantwortlich, die alle - zum Teil deutlich - älter als 18 Jahre seien. Das Problem: Die Szenen sind nicht klar voneinander getrennt. Einige machen beides; andere lehnen das legale Sprayen regelrecht ab. Ihre Bilder werden im Internet bestaunt. „Je größer das Risiko, erwischt zu werden, desto größer ist die Bewunderung“, glaubt Rüenaufer. Illegale Graffiti werde es wohl immer geben, welches Ausmaß die Sachbeschädigungen annehmen, ließe sich aber durchaus beeinflussen, glauben dagegen Kusber und Renken, die sich vom illegalen Sprühen klar distanzieren. „Der Bedarf nach legalen Flächen ist riesig“, sagt die 32-jährige Künstlerin. „Es gibt Hunderte in Köln, die malen wollen und nicht wissen, wo.“ Anstatt darauf zu reagieren, würde diese Kunst- und Ausdrucksform von Jugendlichen in die Illegalität gedrängt und pauschal als Schmiererei verunglimpft.

Das sehen nicht alle so - selbst in der Kasa herrscht zurzeit Uneinigkeit über die Frage nach legalen Angeboten für die Sprayer. Die Kölner Verkehrs-Betriebe haben sich vom Haus- und Grundbesitzerverein hart attackieren lassen müssen, nachdem sie die Wände der Haltestelle Frankfurter Straße besprühen ließen. Das sei eine „Torpedierung“ der Arbeit der Kasa. Die Bereitstellung von legalen Flächen oder die Vergabe von Aufträgen für öffentliche Gebäude sei falsch, so die Hausbesitzer. Neue großformatige Bilder würden andere Sprayer anlocken, die sich in der Umgebung verewigen wollten. Die Polizei verweist auf Erkenntnisse aus anderen Städten, die das bestätigen könnten.

Die KVB sah die Sache anders: Ihr sei es darum gegangen, die völlig verwahrloste und mit illegalen Graffiti beschmierte Haltestelle attraktiv zu gestalten. Man wolle „mit einer pragmatischen Haltung etwas verbessern“. Die KVB ist nach der letzten Sitzung der Kasa mit Aussagen über mögliche weitere Projekte vorsichtig geworden. „Wir schauen, wie das bei den Fahrgästen ankommt und ob das Bild so bleibt, wie es ist“, sagt Sprecher Joachim Berger. Es werde „vorerst keine weiteren Flächen“ geben.

„Jugendliche haben mächtige Gegner“, meint Ralf Krep, der für den Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) die Jugendeinrichtung in Bilderstöckchen leitet. Der SKM half bei der Umsetzung des Höhenberger Projekts, bei dem Jugendliche aus dem Stadtteil mit einigen „Mittwochsmalern“ aus Bilderstöckchen zusammenarbeiteten. Die Kasa würde mehr erreichen, wenn sie das Geld, das sie zur Bekämpfung der Graffiti ausgebe, in die Jugendarbeit stecke, sagt Krep. Er hält den Umgang mit dem Thema für unehrlich: Wenn es um Werbung, Kommerz oder Bühnenbilder gehe, müsse Graffiti als coole Kulisse herhalten. Wenn Graffiti da stattfinde, wo sie herkomme, würde sie bekämpft.

Er fordert mehr legale Flächen, weil man so ein „Signal an die Jugendlichen aussenden würde, dass man sie mit Interesse wahrnimmt“. Deshalb sei der Streit um das Höhenberger Gemälde so schädlich: Jugendliche, die zehn Wochen an dem Projekt gearbeitet haben und an Wochenenden bis zu 15 Stunden auf Gerüsten gestanden hätten, müssten sich hinterher anhören, dass ihr Werk nicht erwünscht sei. Die Jugendlichen selbst würden sich gerne mal mit den „alten Herren der Kasa“ an einen Tisch setzen. „Aber leider fehlt bei denen einer, der sich mit Kunst auskennt“, sagt Luca und malt weiter an dem überdimensional großen Kopf fürs Gemeinschaftswerk an der „Hall of Fame“.
_________________
Leben und leben lassen!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Vollbock.bboard.de Foren-Übersicht -> Offtopics Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Ähnliche Beiträge
Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Bwegte Dom Bilder!! der Jeck us kölle Offtopics 0 11.02.2009, 20:24

Tags
Auto, Ford, Foto, Geld, Hund, Internet, Mercedes, Musik



Powered by phpBB 2.0.23 © 2001, 2002 phpBB Group

BBoard.de bietet Ihnen ein Kostenloses Forum mit zahlreichen tollen Features

Impressum | Datenschutz